(04.02.2019)
Nach, mit Unterbrechungen, 20 Jahren Arbeit an einer möglichen Umnutzung der Liebfrauenkirche hat sich die Kirchengemeinde am 3. Februar 2019 mit dem Entwidmungsgottesdienst von der Liebfrauenkirche als Gottesdienststätte verabschiedet.

Generationen von Wernigerödern wurden hier getauft, konfirmiert, getraut, hier wurde ihres Todes gedacht. Hier wurde die erste evangelische Predigt in der Stadt gehalten, hier saßen im November 1989 die damals "Mächtigen" vom "Rat des Kreises" auf den Stufen des Altars, um der Bürgerschaft Rede und Antwort zu stehen. Vor fünf Jahren erst haben wir hier das 250. Jubiläum zum Wiederaufbau gefeiert. Nachdem die Finanzierung des Projektes "Kulturkirche Liebfrauen" nun gesichert ist, möchte die Kulturstiftung Wernigerode im März mit den Bauarbeiten beginnen.

Wir wissen um die vielen Fragen aus der Bürgerschaft und von Gemeindegliedern - was wird mit all den Dingen in der Kirche? Im Kaufvertrag mit vielen Anlagen hatten wir die Interessen der Kirchengemeinde fixiert. Wesentliche Dinge sind:

- Die Glocken bleiben kirchlich gewidmet, eine Läuteordnung schreibt deren Nutzung vor. Die neue Besitzerin muss die fachliche Wartung sichern.
- Die Orgel bleibt im Eigentum der Kirchengemeinde. Uns obliegt die Unterhaltungspflicht, in einer Nutzungsvereinbarung mit der neuen Gebäudeeigentümerin ist quasi alles geregelt.
- Alles bewegliche Kunst- und Kulturgut, wie Kruzifixe, Porträtsgemälde, Truhen, Liedertafeln, Vasa sacra und dgl. bleibt im Besitz der Kirchengemeinde und wird in das Kunstgutkonzept der Sylvestrikirche integriert bzw., wie das Abendmahlsgerät, im Gebrauch der Kirchengemeinde bleiben.
- Der Taufstein soll eine ihm gemäße Nutzung in der Klosterkirche Ilsenburg finden, ein Leihvertrag mit der Stadt Ilsenburg ist in Vorbereitung.
- Die raumprägenden, festen Bestandteile der Kirche, wie Kanzelaltar, Fenster, Ratsstuhl/Loge und Priechen gingen in das Eigentum der Kulturstiftung über, bleiben unverändert wichtige Bestandteile des umzubauenden Kirchenraumes.
- Die beiden Emporen werden nur im unbedingt notwendigen Umfang verändert.
- Das historisch wertvolle Gestühl muss leider weichen. Die Kulturstiftung wird es fachmännisch demontieren und sicher einlagern, es haben schon Kirchengemeinden ihr Interesse für eine adäquate Nutzung angemeldet. Das ist sicherlich die beste Lösung. Die Originalhölzer mit den Namenszügen der Spender sollen nach dem Umbau an würdiger Stelle in der Kirche angebracht werden.

Alles geschieht unter Einbeziehung der aufsichtsführenden staatlichen und kirchlichen Ämter und Behörden.

Nach dem Umbau der Kirche steht sie der Kirchengemeinde für vier Veranstaltungen im Jahr zur Verfügung.

Mit der Übertragung der Liebfrauenkirche an die Kulturstiftung ist die Erwartung und Hoffnung verbunden, dass unsere Liebfrauenkirche ein Ort der Kultur, der Begegnung von Menschen bleibt, öffentlich und jedem zugänglich.

Siegfried Siegel, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates St. Sylvestri und Liebfrauen (aus dem Gemeindebrief Februar/März 2019, gekürzt)

 

 

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